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Grundlagen der Emotionellen Ersten Hilfe
Die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) ist ein körperorientierter Ansatz, der in der Krisenintervention und der Bindungsförderung von
Eltern, Babys und Kleinkindern eingesetzt wird.
Der Ansatz hat seine Wurzeln in der Körperpsychotherapie, sowie in den Erkenntnissen aus der Gehirn- und Bindungsforschung und
wurde von Thomas Harms, Dipl. Psychologe und Körperpsychotherapeut in den vergangenen 15 Jahren entwickelt.
Die Bindungsforschung hat aufgezeigt, dass eine stabile und sichere Eltern-Kind-Bindung ein bedeutender Schutzfaktor für die
psychische wie körperliche Entwicklung eines Kindes ist. Eine sichere Bindung kann sich nur durch feinfühliges Eingehen der Eltern auf die Bedürfnisäußerung des Babys entwickeln und etablieren. Eine wichtige
Voraussetzung für diese Feinfühligkeit bei den Eltern ist ihre emotionale Verfügbarkeit. Genau die kann aufgrund unterschiedlichster Ursachen wie belastende Ereignisse in der Schwangerschaft, eine krisenhafte
Geburt, eigene traumatische Kindheitserfahrung und vielem mehr stark eingeschränkt sein.
Die zentrale Idee der EEH ist, dass es einen engen Zusammenhang zwischen körperlichen Empfindungen wie Druck im Brustkorb (z.B.
bei Stress), kognitiver Verarbeitung (z.B. negativer, bewertender Gedanken) und affektivem Erleben = Emotionen gibt. Im Rahmen der EEH-Arbeit wird der Körper und die Empfindungen zur Orientierung im Umgang
mit Stress genutzen. Die Signale des Körpers werden wahrgenommen und genutzt, um schwächende Kreisläufe aus Angsterleben, Stress und Verlust der Nähe zum Kind frühzeitig durch Rückbindungstechniken an den eigenen
Körper und dem eigenen Körpergeschehen zu unterbrechen.
Die Regulation der frühen Eltern-Kind-Verhaltens“Programme“ wie die Eltern-Kind-Interaktion sind über das Autonome Nervensystem
(ANS) beeinflusst, dem Parasympathikus und dem Sympathikus. Der Parasympathikus ist für die Regeneration des Körpers wie Erholung, Entspannung und Auffüllen von Energiespeichern verantwortlich. Sein Gegenspieler der
Sympathikus hat vitalisierende, anregende Aufgaben und mobilisiert Kraftreserven. Eine Dauer- oder Übererregung des Sympathikus kennen wir als Stressreaktion.
Das ANS hat auch einen wichtigen Einfluss auf psychische Funktionen, wie unsere Gefühle oder die Richtung in die wir unsere
Aufmerksamkeit lenken und halten können.
Das ANS regelt somit wesentliche psychische wie somatische Funktionen und wird als das Basissystem des Körpers verstanden. Ein
Gleichgewichtsverlust des ANS ist eng mit eingeschränkter Beziehungsfähigkeit und Einschränkung des inneres Wohlbefindens assoziiert.
Ziel ist es daher, die Eltern so zu unterstützen, dass sie ihre Gefühle besser verstehen und in einen Zustand der Offenheit und
emotionaler Verfügbarkeit zurückkehren können. Sie gewinnen dadurch mehr Sicherheit in der Beantwortung der kindlichen Bedürfnisse.
Krisenintervention
Im Rahmen der Krisenintervention geht es darum, mit den Eltern im akuten Stressgeschehen so im Kontakt zu sein, dass sie in der
Lage sind, mit sich und ihrem Körpergeschehen in Verbindung zu bleiben. Dazu werden körperorientierte Rückbindungstechniken eingesetzt, die zuvor in Visualisierungen „ausprobiert“ werden können. In der Begleitung
des Schreiens oder des unruhigen Kindes ist es Ziel, die dabei aufkommenden Gefühle zuzulassen und nicht zu verdrängen. Diese Öffnung der Eltern, erlaubt es dann auch dem Kind sich zu öffnen. Es entsteht im
Krisengeschehen eine Verbindung zwischen Eltern und Kind, es kommt zu einem für die Eltern wahrnehmbaren Nähegefühl und einem Gefühl der inneren Verbundenheit zum Kind, wo zuvor in gleichen Situationen das Gefühl
des Bindungsverlustes, des Getrennt seins vom Kind war und Hilflosigkeit und Ohnmacht im Vordergrund standen.
Die Häufigkeit der Treffen und die Dauer der Begleitung hängen im Wesentlichen von den Ressourcen und den Bindungserfahrungen der
Eltern selbst ab. Selbstverständlich spielt dabei auch Ausmaß der z.T. traumatischen Erfahrungen des Babys eine wesentliche Rolle.
In der Krisenintervention gilt der Grundsatz: Sicherheit zuerst! Das Baby muss zuvor einer kinderärztlichen Untersuchung vorgestellt werden, um akute und/oder schmerzhafte Erkrankungen auszuschließen. Sehr
belastete Eltern, Eltern mit psychiatrischen Erkrankungen, wie Depressionen oder auch andere z.B. chronische Erkrankungen, müssen daher zuvor ärztlich untersucht werden, um eine suizidale und/oder gesundheitliche
Gefährdung auszuschließen.
©Jutta Pipper 2010 / Auszug aus der Abschlussarbeit der Fortbildung „Hebammen und andere Gesundheitsberufe beraten Familie“ Viva Familia, 2010
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